Ein Text von Nataliia Smiatska und Stefan Eberhardt
Nataliia Smiatska kommt aus der Ukraine und engagiert sich seit mehreren Jahren in der Stadt Ostfildern. Für sie beginnt Integration nicht mit perfekten Sprachkenntnissen, sondern mit dem Wunsch, Teil der Gemeinschaft zu sein. Als sie nach Deutschland kam, musste sie, wie viele andere Ukrainerinnen und Ukrainer, ihr Leben neu beginnen. „In der Ukraine hatte ich ein Zuhause, einen Beruf und ein vertrautes Leben. Plötzlich war alles anders. Eine neue Sprache, ein neues Land und die große Frage: Wie geht es jetzt weiter? Von Anfang an habe ich in Ostfildern viel Unterstützung erfahren. Dafür bin ich den Einwohnern und der Stadtverwaltung bis heute von ganzem Herzen dankbar. Der beste Weg für mich, Dankbarkeit zu zeigen, ist, selbst aktiv zu werden und etwas Gutes für die Gemeinschaft zu tun.“ So entstand 2023 eine Gruppe ukrainischer Ehrenamtlicher. Einige unterstützten in den Küchen der Treffpunkte, andere arbeiteten im Rosengarten oder engagierten sich in Seniorenheimen. „Für uns war das der erste Schritt zur Integration – und gleichzeitig die beste Möglichkeit, die deutsche Sprache, die Menschen und die Kultur kennenzulernen“ sagt Nataliia Smiatska. „Im September 2023 organisierte ich zudem im Bürgertreff Scharnhauser Park den ersten Ukrainischen Kulturtag.
Gemeinsam wollten wir zeigen, wie vielfältig unsere Kultur ist – mit Musik, Sprache, traditionellen Speisen und der „Wyshywanka“-Tracht. Daraus entstand unser ukrainischer Chor, der seitdem regelmäßig im Treffpunkt Parksiedlung und im Bürgertreff probt.“
Nataliia Smiatskamöchte Menschen zusammenbringen, ihnen Hoffnung geben und ihnen zeigen, dass sie nicht allein sind. Der Chor „Sonnenschein“ tritt unter anderem bei interkulturellen Festivals auf. Mit ukrainischen Liedern wird den Menschen in Ostfildern die Kultur nähergebracht. Inzwischen gehören auch Jugendliche zu dem Projekt. Für sie finden extra Gesangsstunden im Bürgertreff statt. Aus dem Chor entwickelte sich außerdem der „Prostir Sonnenschein“. Dies ist ein Ort der Begegnung, der Gemeinschaft und des Vertrauens – ein Ort, an dem aus Fremden eine große Familie geworden ist. Hier finden kreative Workshops, Vorträge zu Geschichte, Kultur und Kunst sowie Musikveranstaltungen statt.
„Der beste Weg zur Integration ist nicht, darauf zu warten, aufgenommen zu werden. Integration beginnt dort, wo Menschen bereit sind, sich einzubringen, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam etwas Gutes zu schaffen.“ Davon ist Nataliia Smiatska überzeugt. Innerhalb von vier Jahren hat sie es geschafft, den Integrationskurs abzuschließen, als Jobcoach zu arbeiten, ein Sprachzertifikat B2 zu erwerben und eine Weiterbildung als psychologische Beraterin zu absolvieren. Dieses Wissen hilft ihr dabei, andere Ukrainerinnen und Ukrainer auf ihrem Weg in Deutschland zu begleiten.
Ostfildern und insbesondere die Treffpunkte in den Stadtteilen leben vom Engagement. Nataliia ist ein schönes Beispiel dafür, wie aus Dankbarkeit, Offenheit und gegenseitiger Unterstützung etwas Gemeinnütziges entstehen kann.
Ehrenamt als Möglichkeit der Integration